Rund 200 Polen, vorwiegend aus der Schweiz, Deutschland und Polen, nahmen an der jährlichen Wallfahrt der Auslandspolen zum Großen Sankt Bernhard-Pass anlässlich des Festes Unserer Lieben Frau von Tschenstochau teil. Sie beteten für ihre Familien, ihre Heimat und persönliche Anliegen.
Das mit dem Fest Unserer Lieben Frau von Tschenstochau verbundene Ereignis, deren Bildnis sich in der Hospizkapelle der Laterankanoniker befindet, zog sowohl die Pilger, die zu Fuß unterwegs waren, als auch diejenigen, die mit dem Auto das Ziel erreicht hatten, an. Die Wanderung zum Pass dauert etwa zweieinhalb Stunden und führt zu einem einzigartigen Ort des Gebets und der spirituellen Begegnung.
Die Wallfahrt der in der Schweiz lebenden Polen zum Großen Sankt Bernhard-Pass findet seit 2008 jährlich am letzten Augustwochenende statt. Sie wird von der Polnischen Katholischen Mission in der Schweiz in Zusammenarbeit mit der Polnischen Emigrantenseelsorge organisiert.
Auf der Pilgerreise des Lebens
Die diesjährige Wallfahrt wurde von Bischof Robert Chrząszcz, dem Delegierten der Polnischen Bischofskonferenz für die Seelsorge der polnischen Emigranten, geleitet. Am Beginn ermutigte er die Pilger mit folgenden Worten: „Möge diese Zeit eine Zeit der inneren Erneuerung sein, eine Begegnung mit Gott.“
Der Bischof betonte auch die spirituelle Bedeutung der Anstrengung, die eine Wallfahrt mit sich bringt: „Die Mühen des Einstiegs symbolisieren unser Leben, das immer mit gewisser Anstrengung verbunden ist, aber gerade diese Mühe bringt uns näher zu Gott; höher, und von oben sieht man besser. Wir möchten unser Leben, unsere Leistungen genau aus dieser Perspektive betrachten, mit diesem Gefühl, dass wir uns auf einer Pilgerreise durch das Leben befinden, um Gott zu begegnen.“
Wallfahrt mit zahlreicher Beteiligung junger Menschen
Unter den rund 200 Teilnehmern befanden sich auch viele junge Vertreter der Auslandspolen. „Ich freue mich sehr, denn dies ist aufgrund des Bildnisses der Schwarzen Madonna ein sehr wichtiger Ort für Polen“, betonte Krystian, ein 19-jähriger aus Zürich, der zum zweiten Mal an der Pilgerfahrt teilnahm, in einem Gespräch mit Family News Service. Er wies darauf hin, dass dieses Ereignis die Möglichkeit biete, Polen aus verschiedenen Teilen der Schweiz zu begegnen.
Für Pater Kordian, der in der Schweiz tätig ist, hat das Pilgern einen besonderen Charakter. „Wir gehen gemeinsam mit den Pilgern und bringen unsere Anliegen mit“, betonte er und fügte hinzu, dass dieses Ereignis eine spirituelle und eine sportliche Dimension verbinde, da es eine Gelegenheit zum Wandern biete.
Unter den Teilnehmern war auch Ewa Lenart aus Zürich, die mit ihrem Mann und ihren Kindern wanderte. „Wir haben hier das Bild der Schwarzen Madonna, zu der wir einmal im Jahr kommen, um um Gnade zu bitten, vor allem um zu danken, um Unterstützung in unserem Alltag, in unserem Leben, um Segen und um das Geschenk der Gemeinschaft zu bitten. Das ist etwas Wunderschönes, das wir hier spüren, das wir hier erhalten und das wir mit nach Hause nehmen können“, sagte sie.
10 Jahrhunderte Geschichte mit polnischen Akzenten
Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück. Um 1050 gründete der hl. Bernhard von Menthon hier ein Kloster der Regularkanoniker. Seit Jahrhunderten helfen die Mönche Pilgern und Reisenden, und die berühmten Bernhardinerhunde, benannt nach dem Pass, unterstützten sie über Jahrhunderte hinweg bei der Bergrettung.
Das Bild der Schwarzen Madonna, das jedes Jahr Pilger anzieht, hat ebenfalls eine einzigartige Geschichte. Es wurde von Edmund Ernest-Kosmowski gemalt, einem Legionär, der in Piłsudskis Legionen kämpfte. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte das Bild auf den Pass, wo es sich bis heute in einem Seitenschiff der Kirche befindet.
Das Wallfahrtprogramm umfasste die Heilige Messe, die Loreto-Litanei und das Singen des Appells von Jasna Góra. Bischof Chrząszcz vertraute die Gemeinde der in der Schweiz lebenden Polen der Muttergottes an. Es fand auch ein Picknick statt, das Gelegenheit zur Integration und Erholung bot.
Die Pilgerfahrt zum Großen Sankt Bernhard-Pass ist nicht nur eine Tradition, sondern vor allem eine lebendige Erfahrung des Glaubens, der Gemeinschaft und der spirituellen Erneuerung. Es ist eine besondere Zeit für die in der Schweiz lebenden Polen und Polen aus anderen Ländern, um im Alltag innezuhalten und – im wörtlichen und spirituellen Sinne – aus einer höheren Perspektive zu blicken.
Family News Service
Photos: E. Lenart / DEP / Family News Service






